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Warum es unterschiedliche Säure-Basen-Tabellen gibt

Steigt man in das Thema des Säure-Basen-Haushalts ein, so kommt man unweigerlich dazu sich an einer Tabelle zu orientieren – um dann festzustellen, dass es unterschiedliche Tabellen gibt. Mit der Anzahl verschiedener Tabellen wächst zumeist auch die Unsicherheit, welcher man denn vertrauen kann. Deshalb erklären wir wie es zu den unterschiedlichen Tabellen kommt und woran man sich orientieren kann.

WIE GUT IST ES ERFORSCHT?

Generell muss man feststellen, dass es zu nahezu allem rund um unsere Körper unterschiedliche Aussagen im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten gibt. Sei es, weil die Forschung besser geworden ist, oder sei es weil man Dinge anders interpretiert. Bezogen auf die Säure-Basen-Forschung muss man leider feststellen, dass es solch ein Randgebiet innerhalb der Medizin ist, dass sich nur wenige Forscher ausschließlich diesem Thema widmen. Allein deswegen sind faktenbasierte Messungen rar. Neben die wenigen echten Wissenschaftler gibt es dann noch einige Ernährungsexperten oder andere Fachleute, die Tabellen ‚aufgrund eigener Erkenntnisse oder Beobachtungen‘ herausgebracht haben. Leider werden von den Erstellern oftmals keinerlei weitere Angaben gemacht, mit welchem Verfahren diese Erkenntnisse zustande gekommen sind. 

WIE KOMMT ES ZU DEN UNTERSCHIEDEN?

Um eine Säure-Basen-Tabelle anzufertigen kann mit unterschiedlichen Messmethoden vorgehen.
Einer der ersten, der sich der Forschung rund um den Säure-Basen-Haushalt verschrieben hat, war der schwedische Biochemiker Ragnar Berg (1873-1956). Er wird auch als einer der Urväter der Säureforschung bezeichnet. Berg hat seinerzeit die Asche von Lebensmitteln untersucht und festgestellt, dass sich die Mineralstoffzusammensetzung der Asche unterschied. Anhand der Differenzen in der Asche ordnete er dann die Lebensmittel in basisch oder sauer ein. Der Nachteil dieser Wertermittlung ist, dass die Verstoffwechselung eines Lebensmittels sich im Körper anders verhält, als das bloße Verbrennen dessen. Dies ist auch mit ein Grund, warum sich das nicht wirklich wissenschaftliche Messverfahren von Berg nie bei Schulmedizinern durchsetzen konnte. Im Unterschied zu Berg haben die beiden Professoren Friedrich Manz und Thomas Remer 1995 einen anderen Ansatz gewählt. Die beiden erstellten ihre Tabelle anhand der „möglichen Nierenbelastung von Lebensmitteln“. Jedes Lebensmittel welches wir zu uns nehmen, hat eine unterschiedliche Säureausschüttung und somit auch eine andere Nierenbelastung. Manche werden schon über die Atmung verstoffwechselt und belasten somit die Nieren nicht, andere gehen den Weg über die Nieren. Mit dieser Voreinteilung und den anschließenden Untersuchungen gelangten die beiden zu dem sogenannten PRAL-Wert. (PRAL – potential renal acid load, grob übersetzt also ‚potentielle Nieren-Säure-Last‘). Dieses neuere Messverfahren berücksichtigt also die mitunter hochkomplexen Stoffwechselprozesse im Körper und nicht allein den Mineralstoffgehalt in einem Lebensmittel. 

Schaut man sich mit diesem Hintergrundwissen die verschiedenen Säure-Basen-Tabellen an, so stellt man fest, dass sich im Prinzip alle im Ursprung auf eine dieser beiden „Ur-Tabellen“ beziehen, bzw. auf die Unterscheidung zwischen dem Mineralstoffgehalt eines Lebensmittels oder dessen Verstoffwechselung. Im Laufe der Jahre hat sich die PRAL-Tabelle mehr durchgesetzt und ist inzwischen auch anerkannter, da sie gegenüber der Berg-Tabelle als ‚praxisnäher‘ angesehen ist, weil sie eben nicht nur den reinen Mineralgehalt berücksichtigt.

GIBT ES GEMEINSAMKEITEN?

Auch wenn die Tabellen aufgrund unterschiedlicher Herangehensweisen verschiedene Ergebnisse liefern, so kann man dennoch einige Gemeinsamkeiten feststellen. So sind beispielsweise nahezu alle Gemüse- und Obstsorten als basisch eingestuft und nahezu alle Fleisch- und Fischarten, sowie nahezu alle Milchprodukte als sauer eingeteilt. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass in allen Tabellen einige Lebensmittel nicht aufgelistet sind. Dies liegt entweder daran, dass es dazu keine ganz klare Beurteilung gibt, oder aber, dass das Lebensmittel bei der Erstellung der Tabelle dem Ersteller ‚unbekannt‘ war. So fehlen schon mal exotische Lebensmittel wie Chia-Samen, Gojibeeren oder dergleichen. 

FAZIT

Es wird sicherlich nie nur eine einzige Säure-Basen-Tabelle geben. Einerseits weil es immer ‚Verteidiger der einen reinen Lehre‘ geben wird und andererseits, weil Wissenschaft bzw. Erkenntnisse sich weiterentwickeln. So wird Ragnar Berg als Urvater immer seine Befürworter haben, wohingegen andere, die neuere und stoffwechselbasierte Einteilung von Manz/Remer befürworten werden. Letztlich muss da jeder für sich entscheiden, womit man sich mehr identifizieren kann und was einem selbst als logischer erscheint. Darum sollte man all die verschiedenen Tabellen auch als das betrachten, was sie eigentlich sind: Eine gute Orientierung!